Kabel Deutschland … seit Jahren unverändert.

Die öffentlich-rechtlichen Sender haben nun Demo-Programme in HDTV laufen. Im Moment kann man diese aber nur über Satellit empfangen. Das sorgt (zurecht) für Unmut bei den Kabel Deutschland (KDG) Kunden die sich von der neuen technologischen Entwicklung ausgeschlossen fühlen. Sie fordern inzwischen sogar per Online Petition die Einspeisung der Programme.

Bis zu diesem Moment habe ich die Geschichte eher als Randnotiz empfunden. Nun kommt aber der eigentliche Spaß … und diese Diskussion taugt tatsächlich dazu, den sterbenden Fernsehmarkt noch einmal aufzuwühlen.

Bislang war es in der deutschen Medienlandschaft tatsächlich so, dass die Betreiber der Fernsehsender eine Gebühr an die Kabelnetzbetreiber entrichten, um in die Haushalte eingespeist zu werden. Dabei handelt es sich nicht um “Peanuts”, sondern die Kosten für eine Satelliten- und Kabeleinspeisung können schnell zwischen 5 und 10 Millionen € pro Jahr liegen. Die “entrance fee” in den deutschen Fernsehmarkt war also traditionell so hoch, dass es sich nur große Spieler mit massentauglichem Programm leisten konnten einzusteigen.

Nun drehen die Sender (voran ARD, ZDF und Eins Festival) gerade den Spieß um und weigern sich, das übliche Wegelagerergeld zu bezahlen … und verweisen dabei auf die sehr hohe Nachfrage der Kunden. Kabel Deutschland kann es sich also wahrscheinlich nicht leisten die Programme nicht einzuspeisen. Das bisherige Opfer wird also selbst zum Erpresser. Spannend.

Nun muss man in diesem Zusammenhang wissen, dass dieses deutsche Modell (die Sender zahlen für ihre Verbreitung selbst) international einmalig (oder zumindest sehr selten) ist. In den USA ist es beispielsweise üblich, dass die Sender für die Einspeisung in den Kabelnetzen Geld von den Kabelnetz-Betreibern bekommen. Und diese Richtung des Cash-Flows mutet ja auch viel sinnvoller an.

Mein Lieblingszitat kommt aber vom KDG Sprecher Marco Gassen. Bei diesem Wegelagerergeld  handle es sich um ein “über Jahre unverändertes Geschäftsmodell, dass die Sender für die Verbreitung ihrer Programme im Kabel Einspeiseentgelte je nach genutzter Kapazität und Reichweite bezahlen …”. Wenn der Markt-Monopolist als stärkstes Gegenargument einer Veränderung anführt, dass er selbst unflexibel ist … mögen Sie in interessanten Zeiten leben (chinesischer Fluch).

Links:
Kein HDTV-Showcase – Kabel Deutschland bleibt stur

HD-Streit: Zuschauer ärgern sich über KDG

Online-Petition für HDTV

Kabel Deutschland: “Argument der HD-Sender ist scheinheilig”

Foto:

http://www.flickr.com/photos/arnisto/1715332001/

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