Touch my flash

Tim Pritlove hat mich dankenswerterweise auf einen Artikel mit der Überschrift: “An Adobe Flash developer on why the iPad can’t use Flash” aufmerksam gemacht.
Daniel Eran Dilger Morgan Adams – seineszeichens Flash Entwickler – zählt darin viele Argumente auf, warum Flash auf dem iPad wahrscheinlich keine tolle Anwendererfahrung wäre.

Vorneweg I: Ich hatte bei dem Artikel eigentlich das übliche “Wir lieben S. Jobs und Flash ist total blöd” gebashe erwartet. Das bleibt aber aus. Und das Kernargument des Artikels habe ich selbst so zum ersten mal gelesen … und es ist intelligent. Außerdem passt es gerade zum aktuellen Diskurs.

Vorneweg II: Das Thema “Zukunft von Flash” kocht immer noch höher. Aktuell will ich nur auf zwei Artikel in der deutschen IT-Szene hinweisen. 1.) FSF: Google soll Flash den Todesstoß versetzen / Golem.de mit hochamüsanten Kommentaren und 2.) Google: weniger Gears, mehr HTML 5 / heise.de mit wirklich höchstamüsanten Kommentaren. Wer sich duch die beiden Kommentar-Threads durchgearbeitet hat, der hat einen recht guten Überblick was gerade an Pro und Kontra Flash Argumenten so geht – und obendrein welche Schimpfwörter eigentlich gerade so “En Vogue” sind.

Kommen wir also zum Kernargument. Multi-Touch Systeme sind keine 1 zu 1 Übersetzung der guten alten Maus. Das trifft insbesondere meinen Link aus dem letzten Artikel von The Flash Blog. Dort wird einmal sehr lustig und anschaulich gezeigt, wie das Internet ohne Flash aussieht. Die Kernaussage ist quasi: Lasst zu, dass Adobe Flash auf die Endgeräte portiert – und alles wird gut.

Das ist etwas zu kurz gedacht. Obwohl Multitouch Systeme bestimmte Eingaben (Zoom, Slides, Scroll) viel schöner umsetzen als es mit einer Maus möglich ist, bietet die klassische Maus bezogen auf einen Bildpunkt oder Knopf o.ä. vier Zustände der Interaktion: Mouse Over, Klick, Doppelklick und rechte Maustaste. Wenn wir Doppelklick und die Verwendung der rechten Maustaste mal außer acht lassen bleiben immer noch zwei Zustände die Mausbenutzer alltäglich anwenden. Wir sind gewohnt bei Mouseover mit mehr Informationen und Interaktionsmöglichkeiten versorgt zu werden und diese dann mit dem Mausklick zu aktivieren. Beispielsweise blenden die meisten Videoplayer die Controlls erst bei Mouseover ein. Die neuen Apple-Produkte kennen diesen “Mouseover” Zustand nicht.

Ich stimme mit Daniels Morgans Ergebnis nicht überein, dass damit Flash und das iPad einfach nicht zusammen passen – aber eines ist richtig: Für die Produzenten von Flash Inhalten bedeuten Multitouch Displays eine größere Umstellung, als allgemein angenommen wird. Es wird ein Prozess der Anpassung stattfinden.

Ein Beispiel für einen ähnlichen Anpassungsprozess sind die Lauftexte bei Nachrichtensendern. Moderne LCD-Bildschirme geben Fernsehbilder als 25p – Format und nicht als 25i Format wieder – dadurch geht eine Menge Bewegungsinformation verloren. Die meisten Nachrichtensender haben sich daher dem neuen Medium angepasst und benutzen anstatt der Lauftexte kleine Tafeln, die sich am unteren Bildrand austauschen und deutlichen besser für das Netz zu komprimieren sind und auf LCD Bildschirmen sehr gut darzustellen sind.

Eine neue Technologie bedeutet also zum einen nicht, dass man die alten Inhalte 1zu1 übernehmen kann – zum anderen bedeutet aber auch eine technologische Neuerung nicht automatisch, dass alles schon dagewesene Mumpitz ist.

Nachtrag 22. Feb 14:30 Uhr / Da war ein Dreher im Artikel. Daniel Eran Dilger ist der Autor des Eintrages. Der Inhalt und die Argumente stammen aber von Morgan Adams. Nochmal danke @tim für das aufmerksame Lesen.

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