Der Berliner Hauptbahnhof – fernab jeder Hilfe

Heute früh stand ich am Hauptbahnhof in Berlin und sehe wie auf dem Nachbargleis ein junger Mann mit einem epileptischen Anfall zusammenbricht.
Er schlägt dabei so hart auf Schulter und Kopf, dass ihm große Mengen Blut den Rücken herunterlaufen und er bewegt sich in seinen Zuckungen auf das Gleis zu und droht auf die Schienen zu fallen.
Dies schien mit ein geeigneter Moment zu sein um die Telefonnummer 112 zu wählen.
Meine Meldung war klar und präzise. Berliner Hauptbahnhof Gleis 6 liegt ein blutender und zuckender Mann zwischen Abschnitt B und C der droht auf die Schienen zu fallen.
Es gab eine Handvoll Menschen die inzwischen um den Mann versammelt waren und offenkundig mit der Situation überfordert waren. Wäre ich auch gewesen.
Nun würde man ja erwarten, dass am Hauptbahnhof hinter jeder Ecke Sicherheits- und Einsatzkräfte lauern und nur auf einen solchen Moment warten.
Mein Gefühl sagt mir, dass wenn ich einen verdächtigen Bartträger der auf dem Gleis betet gemeldet hätte innerhalb von Sekunden eine bewaffnete Kleinarmee aufgetaucht wäre.
In diesem Fall sind zunächst zehn (10) Minuten vergangen ohne dass sich auch nur ein Bahnangestellter hat blicken lassen. Ich habe auf die Uhr gesehen und der letzte Anruf war noch mit dem Zeitpunkt vermerkt.
Dann ist eine demotivierte Schaffnerin mit einem 1ste Hilfe Koffer den Bahnsteig so langsam entlang gekommen, dass es schon an unterlassene Hilfeleistung grenzt.
Sie hatte offenkundig auch keine Lust in Kontakt mit dem blutenden Mann zu kommen.
Und nach 12 Minuten ist der Notarzt eingetroffen.
Mit ist komplett schleierhaft wie es zu dieser Verzögerung kommen konnte. Gibt es keine Notarztpraxis auf dem Bahnhof – oder haben die auch keinen Bock auf blutende Menschen?
Wahrscheinlich passen blutende und zuckende Menschen auf den Gleisen einfach nicht zum Image der deutschen Bahn und werden daher vom kompletten Bahnhofspersonal ignoriert.

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